Mobirise


Kulturlandschaft im Wandel der Zeit


Von der Vergangenheit in die Zukunft
Im Jahre 2006, nach fast 3 Jahrzehnten mit regelmässigen Arbeitseinsätzen, entschlossen wir uns, einen wesentlichen Teil unserer Aktivitäten in einem Projekt zur Pflege und Bewahrung der Kulturlandschaftsvielfalt zu bündeln. Im Rahmen dieses Projektes sollen Zeugnisse früherer Bewirtschaftung gepflegt und wieder sichtbar gemacht werden, im Einklang mit einer zeitgemässen Bewirtschaftung der Flächen. Die Bewahrung alter Strukturen darf aber die Arbeiten der heutigen Bauern nicht unnötig erschweren und sollte ergänzt sein mit zukunftsgerichteten Aktivitäten.



Projektraum

Der Raum für unsere Projekte ist das mittlere Calancatal, speziell das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Cauco:

- Die Landschaftsgeschichte dieses Talabschnitts ist vom Initianten dieses Projektes in jahrelanger Kleinarbeit erforscht worden, zu den verschiedensten Aspekten stehen bereits Karten Graphiken und Textunterlagen zur Verfügung.

- Gebäude auf den Monti von Artoalla und Sisielma dienen seit über 30 Jahren als Basislager für Arbeitseinsätze der Arbeitsgemeinschaft Val Calanca. Diese möchte in den kommenden Jahren weitere Ideen in die Tat umsetzen und auf diesem Weg gleichzeitig einen praktischen Beitrag im Bereich Umweltbildung leisten.

- Cauco besitzt ein weitgehend intaktes Ortsbild mit fachgerecht restaurierten Sakralbauten sowie gut erhaltene Maiensässzonen, die ideale Ergänzung zu unserem Projekt. 

- Es existiert eine fest verwurzelte Freundschaft zwischen der AVC und der ortsansässigen Bevölkerung, die beste Voraussetzung für eine reibungslose Zusammenarbeit.

Wir möchten unsere Arbeit als Impuls zur Erhaltung des kulturlandschaftlichen Erbes der Region und einer reduzierten Berglandwirtschaft verstanden wissen. Dieses Erbe ist das wichtigste Kapital für einen naturnahen Tourismus, ohne den das Tal in der Zukunft nicht auskommen wird. Vielleicht kann unsere Arbeit dazu beitragen, die Erhaltung naturnaher Kulturlandschaften als wichtige Aufgabe zu erkennen. Diese Aufgabe muss als Gemeinschaftsaufgabe verstanden werden, die Ziele lassen sich nur erreichen wenn alle zusammenarbeiten, denen das Calancatal am Herzen liegt: Ferienhausbesitzer, Touristen und hier wohnhafte Menschen.



Umsetzung

Unser Verein verfügt nur über bescheidenste finanzielle Mittel, seine Mitglieder investieren vor allem ihre Arbeitskraft. Es ist ein Projekt in dem man lernt, die eigenen Ansprüche zurückzunehmen zugunsten der Natur und der Mitmenschen. Mit Blick auf die Zukunft möchten wir zeigen, wie Landschaftspflege und aktuelle wirtschaftliche Rahmenbedingungen kombiniert werden könnten und dazu beitragen, dass die Erhaltung naturnaher Kulturlandschaften als wichtige Aufgabe wahrgenommen wird. Die Umsetzung muss sich darauf ausrichten, den Menschen die Schönheiten einer naturnahen Kulturlandschaft vor Augen zu führen und sie auf den kontinuierlichen Wandel eines Lebensraumes sowie die Folgen dieses Wandels aufmerksam zu machen.

Die konkrete Umsetzung des Projekts orientiert sich an der Feinkartierung des Projektraumes; mit den betroffenen Grundeigentümern und Pächtern werden die notwendigen Absprachen getroffen.

Landschaftselement

Tätigkeiten und Unterstützungsmassnahmen der AVC

Bergwald, Sekundärwald (ehem. Agrarland)

Orientierungsschrift verfassen, eventuell später Orientierungstafeln, Wanderprospekte, Exkursionsunterlagen

vergandenes Kulturland

Nach Absprache mit den Eigentümern (Buschwerk beseitigen bzw. Studium der Vegetationssukzession auf Brachland)

Weideland

Periodisch säubern und entbuschen, punktuell Hilfe beim Zäunen

Mähwiesen

Flächen von Steinen und Holz säubern, wenn nötig Unterstützung beim Heuen

ehemalige Ackerterrassen

Unterhalt der Mauern, Pflege der Flächen, teilweise Bewirtschaftung, Dokumentation

untergegangene Fraktion Lasciallo

Dokumentation ihrer Geschichte

alter Fussweg auf die Monti (z.T. mit seitlichen Trockenmauern)

Regelmässiger Unterhalt, seitliche Trockenmauern ausbessern und eingestürzte Teile ergänzen

Wasserkanal mit Brunnen

Zerfallene Teile wieder herstellen, Unterhaltsarbeiten erledigen (insbesondere jährliche Reinigung)

Kapelle Lasciallo

Umgebungsarbeiten jährlich ausführen, Unterstützung der Stiftung Pro Kapelle Lasciallo

traditionelle landwirtschaftliche Gebäude

Unterstützung der Eigentümer bei Unterhaltsarbeiten, Dokumentation

In den Jahren 2006 bis 2014 wurden im Projektraum rund 7000 Stunden unbezahlte Freiwilligenarbeit geleistet. In dieser Zeit konnten wir unter anderem mit Unterstützung durch den Fonds Landschaft Schweiz vom endgültigen Zerfall bedroht Mauern der einstigen Ackerterassen über Lasciallo instandstellen sowie Informationstafeln für interessierte Touristen realisieren.

Wiederherstellung von Trockenmauern

Die Idee, einige der zahlreichen ehemaligen Ackerterrassen unter der Felswand über Lasciallo zu restaurieren und der Nachwelt zu erhalten, tauchte im Jahre 1995 auf. An die Realisierung des Pro- jektes wagten wir uns erst 10 Jahre später.

2006 begannen wir mit der Instandstellung von Trockenmauern in der Terrassenanlage „Ciüs“ nordöstlich der Kapelle Lasciallo. 2010/2011 folgten die Arbeiten auf der zweiten ausgewählten Projektfläche „Al Sborf“ rund 250 Meter weiter südlich. Hier kann man nicht von einer eigentlichen Terrassenanlage sprechen, die winzigen Äckerlein lehnen sich an die Blöcke eines Felssturzes an.

Heute, nach rund 900 Stunden Fronarbeit, kann sich der stau- nende Betrachter wieder ein Bild davon machen, mit welchem Aufwand hier einst dem steinigen Boden karge Ernten abgerun- gen wurden. Für Material, Informationstafel und das Erarbeiten von Dokumentationen erhielten wir finanzielle Unterstützung durch den Fonds Landschaft Schweiz.