Ziegen auf dem Wanderweg
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Kulturlandschaftswandel im Calancatal

Eine spannende Wanderung durch Raum und Zeit

Parallel zur Leventina und zum Misox erstreckt sich das Calancatal, dessen karger Lebensraum seit Jahrhunderten viele Menschen zur Auswanderung zwang. Das Tal kennt aber eine bedeutsame Vergangenheit seiner eigenen Kultur. Noch heute sind beeindruckende Spuren der einstigen Kulturlandschaft sichtbar. Der vorliegende Führer will im Sinne einer landesgeschichtlichen Wanderung den einschneidenden Landschaftswandel der letzten Jahrhunderte aufzeigen. Gleichzeitig geniesst man einen herrlichen Aus- und Einblick in die Naturschönheiten des mittleren Calancatals und erlebt hautnah den prägenden Einfluss des kargen und steilen Bodens auf den wirtschaftenden Menschen.

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Ausgangspunkt der Wanderung ist Cauco. Das heutige Dorf wurde auf den Geröllmassen des Bergsturzes von 1513 erbaut, der damals das auf einer Terrasse am rechten Talhang gelegene Dorf Campo Bagigno verschüttete. Der Schuttkegel ist während der ganzen Wanderung immer wieder gut sichtbar. Die markante Pfarrkirche und das sehenswerte Beinhaus stammen aus einer Zeit, in der die Gemeinde mit ihren Weilern noch rund 400 Einwohner zählte. Die massive Abwanderung seit dem Anfang des 18. Jh. hat ihre Spuren hinterlassen. Das ehemalige Schulhaus hat seine Funktion verloren und die Mehrzahl der Wohnhäuser im Dorf ist nicht mehr ganzjährig bewohnt. Trotz aller Bemühungen ist ein wirklicher Umschwung bis heute ausgeblieben.

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Unsere Wanderung folgt zunächst ein kurzes Stück der Fahrstrasse, die nördlich am Dorf vorbei auf die Monti und in den Bergwald führt. Auf der linken Seite wurde nach den Unwettern von 1984 ein Erdwall aufgeschüttet, um Wasser und Lawinen aus dem Seitental vom Dorf fernzuhalten. Rechts steht über dem Dorf eine neue Scheune, in den Kleinställen auf den Monti wird seit Ende des 20.Jh. kein Heu mehr eingelagert.

Historischer Weg auf die Monti:  Nach der Rechtskurve oberhalb des Stalls folgen wir dem markierten Wanderweg links hinauf. Bis um 1980 war dies für die Bauern die einzige Verbindung zu ihren Maiensässen (Monti). Der Fussweg ist nur zwischen 1 und 11/2 Metern breit, je nach Steigung mit mehr oder weniger häufigen Stufen; Transporte auf Rädern gab es in der traditionellen Landwirtschaft ja keine. Dort wo er schräg zum Hang verläuft brauchte es talseitig mehrheitlich kleinere oder höhere Stützmauern. Zahlreiche Wegabschnitte, vor allem die steilen direkt hangaufwärts sowie Abschnitte in der Nähe der Monti waren beidseits von Trockenmauern gesäumt, diese sind leider mehrheitlich beschädigt oder eingestürzt. Einige Wegstücke sind mit Steinen „gepflästert“, vermutlich weil die Rinderhaltung in Cauco schon im ganzen 19.Jh.eine grössere Rolle spielte, was an feuchteren Stellen einen soliden Unterbau erforderlich machte.

Rund 100 Höhenmeter über dem Dorf kommen wir an einer Stallscheune, wie sie für die traditionelle Landwirtschaft typisch waren, vorbei. Das Untergeschoss bildet den Stall, darüber wurde das Heu eingelagert. Solche Stallscheunen findet man über die ganze ehemalige landwirtschaftliche Nutzfläche des Tals verstreut, da weite Transporte des Heus möglichst vermieden wurden. Diese Gebäude haben ihre ursprüngliche Funktion verloren, da die Tiere heute im Winter im Dorf gehalten werden; viele von ihnen sind deshalb ganz oder teilweise zerfallen.

Beim Brunnen am Südrand des einstigen Weilers Lasciallo folgen wir dem Fahrweg nach links, vorbei an den letzten noch stehenden Gebäuden, zur Kapelle. Wenn wir den Blick geradeaus auf den Steilhang des Nomnom richten, sehen wir zwischen Felsbändern kleine Birkenwäldchen. Dort waren früher Wiesen, auf denen noch bis nach 1960 Heu gemacht und auf dem Rücken ins 140 bis 360 Meter tiefer gelegene Cauco getragen wurde. Auf dem Platz nördlich der Kapelle erfahren Sie auf unserer Informationstafel interessante

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Fakten zur Geschichte des Weilers mit seiner Kapelle und über die oberhalb liegenden ehemaligen Ackerterrassen. (Den Rundgang durch die Terrassen verschieben Sie wohl besser auf einen Tag, an dem Sie nicht bis über die Waldgrenze aufsteigen wollen oder auf den Abstieg am Abend.) Ab Lasciallo folgen wir wieder dem weiss-rot markierten Wanderweg, den wir beim Brunnen verlassen haben. Er führt zwischen restaurierten Mauern durch gepflegte Wiesen aufwärts zur Forststrasse und nach deren Überquerung durch einen jungen Laubwald zuerst steil und dann gemächlicher aufwärts gegen Sisielma. Dieser Wald ist, wie alle Waldabschnitte die wir bis anhin durchquert haben, im Verlauf des 20. Jh. auf ehemaligem Kulturland gewachsen. Weil infolge Abwanderung und Betriebsaufgabe immer mehr Parzellen nicht mehr bewirtschaftet wurden, haben sich schrittweise Bäume angesiedelt, daher der unterschiedlich alte Baumbestand.

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Sisielma: Ab dieser Entfernung vom Dorf lebten die Bauern in der Zeit, in der hier die landwirtschaftlichen Arbeiten anfielen, auf den Monti. Das einfachste Bauernhaus in den temporär bewohnten Maiensässen ist die um eine Küche erweiterte Stallscheune, Cascina genannt. Die bergwärts angefügte Küche ist aus Stein gebaut, die Scheune über dem Stall diente gleichzeitig als Schlafraum. Gut erhalten ist eine als Ferienwohnung gestaltete Cascina, an der wir 20 Meter unterhalb des Parkplatzes vorbei gekommen sind, ein zweites Beispiel steht knapp 30 Meter südlich und von zwei weiteren existieren nur noch Grundmauern.

Ab dem Parkplatz beim Wegweiser folgen wir dem Wanderweg steil aufwärts in Richtung La Motta. Die Steinmauern und mächtigen Platten verraten uns, dass hier seit jeher der Hauptweg zu den höher gelegenen Monti war. Nach einigen Kehren erscheint am rechten Wegrand ein mit Steinplatten sauber ausgekleideter Kanal. Er leitete früher Wasser aus kleinen Quellen im Wald nach Sisielma. Im unteren Abschnitt gab es hölzerne Wasserleitungen in den Seitenmauern des Weges. Vorbei an einigen Ruinen und ehemaligen Wiesen, in denen mehr und mehr Bäume wachsen, erreichen wir nach einigen Minu- ten die ersten noch intakten Gebäude von Artoalla. 

 

Artoalla war das grösste Maiensäss von Cauco. Eine systematische Erforschung der teilweise über- wachsenen Mauerreste erbrachte den Nachweis für einstmals 54 Gebäude (davon 25 mit Herdstellen), von denen im Jahr 2000 noch 7 standen! Artoalla spiegelt in besonderem Masse die Geschichte des inneren Calancatals wieder. Die Übervöl- kerung verbunden mit extremer Aufsplitterung des Landbesitzes führte schon im 18. Jh. zu einer starken Abwanderung, die nach 1830 einen weiteren Höhepunkt erreichte. Schon um 1850 wohnten nur noch 10 bis 12 Familien temporär in Artoalla und spätestens um 1880 lag die Hälfte der Gebäude in Ruinen. Durch den Niedergang des Getreidebaus und die Hinwendung zur Grossviehhaltung verlor Artoalla zusehends an Bedeutung; das von Spalten durchzogene Terrain, die Zwergparzellen (kleinste 3 x 3.7 m) und  alte Terrassenmauern waren für die neue Wirtschaftsweise wenig geeignet.

Das ehemalige Kulturland zeigt alle Stufen der Vergandung, von beginnender Verbuschung bis zu vollständiger Verwaldung. Zuerst Birken und nach ihnen Fichten und Lärchen erobern die Wiesen zurück. Der extensive Weidebetrieb konnte ihren Vormarsch nicht aufhalten.

Die erste noch intakte Gebäudegruppe am Weg besteht aus Stall (Blockbau), Küche (Steinbau) und Schlafhaus (Stanzin), ein Blockbau von nur 4x4 Metern mit 137 cm hohem Schlafraum. Der talseitig offene Schuppen ist der neu gedeckte Rest eines ehemaligen Stalles. Am Felsen hinter dem Stanzin sehen wir eine besonders eindrückliche „angeklebte“ Kleinterrasse von 2x8 Metern. Im Gebüsch und im Wald finden sich verbreitet Spuren solcher Zwergäcker aus früherer Zeit.

Ein Blick auf die gegenüber liegende Talseite zeigt in geraffter Form was wir beim Aufstieg erleben. Steile Hänge durchsetzt von Felsbändern, dazwischen vereinzelt Wiesen und Weiden, meist aber Laubwald auf aufgegebenen Landwirtschaftsflächen, auf den flacheren Terrassen die Gebäude und Ruinen der Monti. Erst ab einer Höhenlage von 1300 m ü.M. dominiert der Bergwald (Nadelwald), darüber liegen noch einzelne Alpweiden.

 

Nach den letzten drei Gebäuden von Artoalla führt der Pfad steil bergwärts nach La Motta.

Dieses Monti zeigt ein völlig anderes Bild als Artoalla. Bis auf eine Ausnahme sind alle Gebäude erhalten. Sechs von neun Besitzern haben zwischen 1880 und 1930 Neu- oder Umbauten realisiert, zwei ältere Ställe wurden neu zu Ferienhäuschen umgebaut, sodass nunmehr nur noch eine Cascina mit Stanzin seit dem 18. Jh. nicht verändert wurde.

Seit der durch die Abwanderung ausgelösten Aufgabe der höher gelegenen Monti ist La Motta seit dem Ende des 19. Jh. auf dieser Talseite das oberste Maiensäss von Cauco. Die Terrasse von La Motta bietet gute topografische Voraussetzungen für Mähwiesen sowie die gefahrlose Übernachtung von Rindvieh im Freien. Von hier aus wurden noch lange grossflächige Gemeindeweiden im Val Conca und am Hang des Nomnom sowie Weiden im Bereich verlassener Monti bewirtschaftet. Für die von der Viehhaltung geprägte neuere Bergbauernwirtschaft nach 1840/50 war La Motta viel besser gelegen als Artoalla. Noch bis 1968 wurde hier im Frühjahr, Herbst und Frühwinter Käse hergestellt und im Sommer Heu gemacht.

Gegen Norden war noch vor 100 Jahren bis hinunter zum 90 Meter tiefer gelegenen Bach alles Wies- und Weideland, 1930 gab es ganz unten und in der Mitte bereits Gehölze. Am Hang oberhalb der Gebäude ist der geschlossene Wald seit 1930 nur wenig vorgerückt.

(Falls Sie nur eine kurze Wanderung geplant haben und hier umkehren möchten, können Sie auf dem Pfad, der zuerst horizontal und dann sanft hinunter talauswärts nach Mont Dalta zur Forststrasse führt, wieder nach Lasciallo/Cauco absteigen.)

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Aufstieg nach Stabgel
Der Wanderweg führt zwischen den Häuserreihen von La Motta ins Seitental hinein. Schon wenige Meter nach dem Waldrand folgen wir einer Abzweigung nach rechts die uns über Lignè zur Lichtung von Stabgel (1789 m ü. M) führt. Lignè und Stabgel waren, wie unter Moos, Gras und Erde verborgene Mauerreste belegen, vor sehr langer Zeit Monti von Bauern in Cauco, deren Familien in so grosser Höhe einen temporären Wohnsitz hatten. Spätestens seit dem frühen 19. Jh. dienten die Flächen nur noch als Frühlings- und Herbstweide und die Gebäude zerfielen allmählich. Die Milch wurde täglich nach La Motta zum Käsen getragen. Beim Aufstieg durch den wunderbaren Bergwald kann man sich davon überzeugen, welche sportliche Leistung mit dieser Arbeit verbunden war und man wundert sich nicht, dass seit 1995 keine Kühe mehr in Stabgel weiden.   tl_files/files/Kulturlandschaftswandel/karte ligne.jpg

Der relativ flache Bosch di Lignè eignete sich für Waldweide. Am oberen Ende kann man links vom Pfad im Wald bei einem primitiven Brunnen die Mauerreste des ehemaligen Monti auffinden. Von hier bis Stabgel ist der Weg für Grossvieh gefährlicher und musste baulich gesichert werden.

Die Lichtung von Stabgel (mit Brunnen und der Ruine einer Weidehütte) war noch um 1880/90 rund doppelt so gross (2 Hektaren). Im neu aufgewachsenen Jungwald finden sich eindrückliche sperrige Baumriesen, die in ihrem früheren Leben noch im offenen Weideland standen.

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Von Stabgel aus kann man über Bersach nach Selma oder Cauco absteigen, der entsprechende Wanderweg beginnt am Südrand der Lichtung.

Wenn wir die Alpstufe erreichen wollen, folgen wir der Markierung, die steil durch Lärchenwald aufwärts zum <Sentiero Alpino> führt. Dieses Wegstück war nie ein Hauptzugang zu den Alpen. Auf dem <Sentiero Alpino> wenden wir uns nach links, wo wir nach einem weiteren Aufstieg von 40 Höhenmetern den höchsten Punkt der Wanderung, Motta del Perdül (2003 m ü.M.) erreichen. Wenn wir ein paar Schritte auf die Felskanzel hinausgehen, bietet sich uns ein herrlicher Tiefblick über die Wälder ins Tal sowie in die Naturarena der Alp Aion.

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Der <Sentiero Alpino> steht für eine neue Zeit, für den beginn der gezielten Förderung des Wandertourismus im Tal. Anknüpfend an diese 1978 gestartete Initiative der ASAC haben zuerst die Arbeitsgemeinschaft Val Calanca und dann auch andere lokale Organisationen tatkräftig alte Wege wieder instandgestellt, markiert und bekannt gemacht.

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Nach einer knappen Viertelstunde  sehen wir rechts neben grossen Felsbrocken Mauerreste der Hütten der Alp Aion vec. Wahrscheinlich wegen der grossen Lawinengefahr standen hier schon 1850 keine Gebäude mehr. Östlich dem Riale d’Aion, den wir kurz nach den Ruinen überqueren, wurden 1984 Pflanzen und Erdreich auf einer Breite von mehreren hundert Metern von einer gewaltigen Nass-

schneelawine in die Tiefe gefegt. Wir müssen bald nach dem Bach links zu den Gebäuden der Alp d’Aion absteigen, die auf einer geschützten Terrasse hoch über der Bachrinne gebaut wurden. Die sich auf dem Gemeindegebiet von Cauco befindende Alp gehört der Gemeinde Sta. Maria und wird schon lange nur noch mit Schafen bestossen. Die Überreste der grossen Treppe, auf der wir kurz zuvor abgestiegen sind, lassen aber den Schluss zu, dass im 19. Jh. auch Rindvieh auf Aion weidete.

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Das talwärts führende Weglein führt kurz durch Jungwald (ehemalige Weide) und dann prächtigen Bergwald gegen NNW. Zahlreiche Bäume zeigen Wunden und Narben von Steinschlag. Kurz nachdem der Pfad gegen Westen umbiegt, stossen wir im Wald auf die Überreste einer primitiven Schutzhütte, die in einer alten Ruine errichtet worden war (Pt.1702). Wer sich aufmerksam umsieht, findet weitere Mauerreste vor allem in Richtung Norden. Es sind Überreste eines Monti, das schon seit mehr als 200 Jahren nicht mehr existiert und von dem niemand mehr etwas weiss. Der junge Fichtenwald zeigt auf, wo noch bis zum 2. Weltkrieg sporadisch geweidet wurde und grobastige uralte Fichten darin erzählen, dass sie lange Zeit im Weideland standen (Schirm- bzw. Hutbäume).

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Der weitere Abstieg führt durch eindrucksvollen Bergwald, der sich in diesem Steilhang wohl nur als Kollektiv halten kann. In kleinen Lichtungen wachsen Gruppen von sich gegenseitig stützenden jungen Bäumen im Schutz trotziger Baumriesen. Wo der Hang flacher wird, etwa auf 1550 m ü.M., ändert sich das Walbild ein wenig; bis in diese Höhe gab es bis Ende des 19. Jh. noch Weidebetrieb, teilweise als Waldweide, wie einzelne alte Bauminseln belegen.
Bei 1500 m ü.M. erreichen wir die allmählich zuwachsenden Wiesen des ehemaligen Monti Pian Conca. Die Ruinen befinden sich links vom Wanderweg, verdeckt durch junge Bäume, etwa 30 Meter entfernt. Neben den zum Monti gehörenden privaten Wiesen gab es hier, rechts vom Wanderweg bis zum Ria Ravisc und im ersten Tälchen westlich davon, ausgedehnte Gemeindeweiden, zum Teil wohl mit lockerem Baumbestand. Mit dem Verschwinden zahlreicher Bauernbetriebe im Dorf wurden diese Weiden nach 1950 immer weniger genutzt; die Gebäude der Monti waren schon früher zerfallen.   tl_files/files/Kulturlandschaftswandel/ria ravisc.jpg

Unterhalb des ehemaligen Monti wurde der Alpweg, der hier durch Wald führte, im Lawinenwinter 1984 samt dem Wald fortgerissen. Er führt seither gegen Norden in ein Seitentälchen und dann, am Abhang der Moräne eines späteiszeitlichen Gletschervorstosses aus dem Einzugsgebiet des Ria Ravisc, hinunter zur neuen Betonbrücke über den Ria d’Aion, der gleich unterhalb einen 25 Meter hohen Wasserfall bildet. Überall hat sich inzwischen bereits wieder dichter Jungwald angesiedelt. Kurz nach der Brücke lohnt sich ein Blick zurück auf die Felsenrinne des Ria Ravisc, die eine Reihe von natürlichen Bassins bildet.

Durch einen selbst an den heissesten Tagen feucht-kühlen Bergwald geht es dann sanft abwärts nach La Motta und von dort auf dem vom Aufstieg bekannten Weg nach Cauco.

In La Motta scheinen sich Vergangenheit und Zukunft auf engstem Raum zu begegnen. Das Monti war ein wichtiger Stützpunkt innerhalb der traditionellen Berglandwirtschaft; die Gebäude aus verschiedenen Epochen dokumentieren den Wandel der Lebensweise vom 17. bis ins 20. Jh. Einige sind, in neuer Funktion, noch regelmässig bewohnt von Menschen, die sich mit der Natur verbunden fühlen und Ruhe suchen. Ohne Umbauten für einen bescheidenen zeitgemässen Komfort wird sich aber niemand längere Zeit hier aufhalten. Wiesen und Weiden werden teilweise noch genutzt und das soll auch so bleiben.

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Eine weitgehend intakte Natur, Spuren früherer Generationen, Leben neben Ruinen, gepflegte Matten im Wechsel mit Wald und Weiden, Stille statt Verkehrslärm: All dem sind wir auf unserer Wanderung begegnet. Es sind Fundamente für einen sanften Tourismus, den das Calancatal für seine Zukunft braucht.